Illustration KI-generiert
No Brown in Town — warum diese alte Kleiderregel noch gilt
Du stehst vor dem Kleiderschrank, ein wichtiger Termin steht an, und irgendwo meldet sich eine alte Stimme: kein Braun nach sechs. Nur weißt du nicht mehr genau, ob das noch gilt oder nur eine Regel aus der Mottenkiste ist.
Die Regel stammt aus einer Zeit, in der Kleidung noch klare Botschaften sendete. Braun war die Farbe des Landes – Tweed, Filzhut, Wochenende. Wer in der Stadt Geschäfte machte, trug Schwarz, Marineblau oder Grau: Farben, die Formalität und urbane Seriosität signalisierten. Braun nach Feierabend in der Stadt zu tragen hieß deshalb: Ich bin eigentlich woanders, gedanklich schon auf dem Land.
Für den Büroalltag ist diese Trennschärfe längst weg – kaum jemand liest heute noch Herkunft aus einer Hosenfarbe. Aber genau deshalb wird die Regel an den Stellen interessant, an denen der erste Eindruck zählt und wenig Raum für zweite Chancen bleibt: der erste Termin bei einem neuen Kunden, die Hauptversammlung, das offizielle Dinner, die Hochzeit des wichtigsten Geschäftspartners. Dort liest dein Gegenüber noch unbewusst mit – und eine Regel, die die meisten Menschen im Raum kennen, ohne sie benennen zu können, wirkt genau dann, wenn du sie brichst.
Nimm die Beraterin, die zum ersten Pitch bei einem sehr traditionellen Mittelständler fährt. Ihr Kleidungsstil ist sonst modern und leger – für diesen einen Termin zieht sie das Register eine Stufe höher. Nicht, weil die Regel in Stein gemeißelt ist, sondern weil sie in diesem einen Raum noch gelesen wird. Danach kann sie wieder ihren eigenen Stil tragen.
Die Faustregel bleibt einfach: Im Zweifel lieber eine Spur zu formell als zu leger – overdressed fällt selten negativ auf, underdressed fast immer.
Wo ziehst du die Grenze zwischen deinem eigenen Stil und dem, was der Anlass von dir erwartet?
Quelle: 30 Jahre Coaching-Praxis, Uwe Klenner.