Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Was von Power-Posing übrig bleibt

Illustration KI-generiert

Was von Power-Posing übrig bleibt

· 2 Min. Lesezeit

Ist dir auch schon einmal aufgefallen, wie verlockend einfach dieser Tipp klingt? Vor einem wichtigen Termin zwei Minuten in einer breiten, offenen Haltung stehen, Hände in die Hüften – und dein Testosteron steigt, dein Stresshormon sinkt, du gehst selbstbewusster hinein.

Diese Behauptung stammt aus einer Harvard-Studie von 2010, die über einen der meistgesehenen TED-Talks überhaupt zum popkulturellen Selbstläufer wurde. Nur: Eine groß angelegte, sorgfältig durchgeführte Replikationsstudie fand 2015 weder die behaupteten Hormonveränderungen noch das gesteigerte Risikoverhalten wieder. 2016 erklärte eine der Erst-Autorinnen der Originalstudie öffentlich, sie glaube selbst nicht mehr an die Hormoneffekte.

Das ist kein Grund, Körperhaltung als bedeutungslos abzutun – im Gegenteil, es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was tatsächlich stehen bleibt. Robuster als der ursprüngliche Hormon-Claim ist ein anderer Befund: Menschen, die eine offene, aufrechte Haltung einnehmen, wirken auf ihr Gegenüber nachweislich selbstbewusster – unabhängig davon, was währenddessen im Körper passiert. Und viele berichten schlicht subjektiv, sich in einer aufrechten Haltung sicherer zu fühlen. Auch das ist real, nur eben nicht über Testosteron und Cortisol erklärt, sondern über Wahrnehmung – die eigene wie die der anderen.

Nimm die Gründerin, die sich zwei Minuten vor dem größten Pitch ihres Jahres bewusst aufrichtet: Sie tut das nicht, weil ein Hormonspiegel kippt, sondern weil sich ihr eigenes Gefühl verändert und weil der Raum eine aufrechte Haltung anders liest als eine zusammengesunkene. Der Effekt bleibt nützlich – nur die Begründung dafür muss eine andere sein.

Woher hattest du deinen letzten Auftritts-Tipp – und hast du dir schon einmal angeschaut, ob die Forschung dahinter das hält, was der Tipp verspricht?

Quelle: Carney, Cuddy & Yap (2010); Ranehill et al. (2015), Replikationsstudie, Psychological Science.

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