Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Zwei Silhouetten in Geschäftskleidung sitzen einander an einem schmalen Tisch gegenüber, vor einer warm goldenen Wand; zwischen ihnen liegt in einer geraden Reihe eine Kette leuchtender goldener Würfel, in der genau ein Würfel fehlt, während die linke Figur die sprechende Hand mitten in der Geste angehalten hat.

Illustration KI-generiert

Dein Ähm kostet dich nicht den Ruf, sondern den Termin

· 2 Min. Lesezeit

Mitten im Satz ist das Wort weg. Du überbrückst die halbe Sekunde mit einem „ähm“ – und hörst dich dabei selbst, weil dir irgendwann einmal jemand gesagt hat, dass du das zu oft tust.

Jonathan Him Nok Lee und Anna Papafragou von der University of Pennsylvania haben dazu gerade in der Fachzeitschrift Cognition vier Experimente veröffentlicht. Der Unterschied zu früheren Arbeiten liegt im Material: keine im Labor abgelesenen Sätze, sondern echte, unvorbereitete Gesprächsaufnahmen, in denen das „ähm“ dort sitzt, wo es im Leben auch sitzt. Das Ergebnis zerfällt in zwei Hälften. Über den Menschen ändert es nichts – Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Wärme des Sprechers als Person blieben unberührt. Über dieses eine Gespräch ändert es einiges: Da galt derselbe Sprecher als weniger vertrauenswürdig, als weniger bereit und als weniger sicher. Und man wollte ihn beim nächsten Mal seltener wieder fragen.

Auftritt ist die Phase, in die das gehört – ein „ähm“ wartet nicht auf den passenden Moment, es passiert dort, wo dir gerade das Wort fehlt, und läuft von der Begrüßung bis zur Verabschiedung mit. Die Rechnung dahinter ist kleiner und zugleich unangenehmer, als sie üblicherweise erzählt wird. Kleiner, weil dein Ruf nicht daran hängt; niemand hält dich wegen ein paar „ähm“ für den schlechteren Fachmann. Unangenehmer, weil der Preis sofort fällig wird – und weil er nicht bei deiner Kompetenz abgebucht wird, sondern bei deiner Vorbereitung. Man hält dich nicht für weniger fähig, sondern für weniger fertig, und das ist eine ganz andere Diagnose, weil sie eine ganz andere Antwort verlangt. Ein Befund kommt hinzu, und er ist der freundlichste: Bei Sprechern, die vorher als Fachleute vorgestellt worden waren, wurde dasselbe „ähm“ eher als Sorgfalt gelesen als bei Anfängern. Wer im Raum schon etwas gilt, dem wird das Zögern anders ausgelegt.

Denk an dein nächstes Gespräch bei der Bank. Über dein Geschäft redest du seit zwanzig Jahren, da kommst du ohne eine einzige Lücke durch. Die drei Minuten zur neuen Förderlinie hast du dir am Vorabend angelesen – und genau dort ist zu hören, dass du sie dir am Vorabend angelesen hast.

Geh vor deinem nächsten wichtigen Termin die Tagesordnung durch und markiere den einen Punkt, bei dem du am wenigsten sattelfest bist.

Quelle: Lee & Papafragou, Studie zur sozialen Wirkung von Füllwörtern, Cognition, 2026.

Quelle: Lee & Papafragou, Studie zur sozialen Wirkung von Füllwörtern, Cognition, 2026.

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