Illustration KI-generiert
„Bauen Sie Lego?“ – Die Frage, die einen ganzen Saal mitnimmt
Du stehst vor vollem Saal, hast fünf Minuten für deine wichtigste Botschaft des Jahres – und die ersten drei Sätze entscheiden, ob dir noch jemand zuhört, wenn du beim fünften bist.
Telekom-Chef Tim Höttges hat genau dieses Problem auf seiner Hauptversammlung in diesem Jahr anders gelöst als die meisten seiner Kollegen. Er begann seine Rede nicht mit Kennzahlen, sondern hielt einen übergroßen magentafarbenen Legostein hoch und fragte in den Saal: „Bauen Sie Lego?“ Danach baute er vor den Augen der Aktionäre mit farbigen Steinen zusammen, wie die neue KI-Fabrik des Konzerns funktioniert – Connectivity, Security, Cloud, darunter Hardware und Software. Die Jury der Universität Hohenheim, die im Auftrag des Handelsblatts jedes Jahr alle vierzig Dax-Vorstandschefs bewertet, kürte ihn dafür zum sechsten Mal in Folge zum besten Redner.
Was hier passiert, ist reine Erste-Worte-Handwerkskunst. Höttges beginnt nicht beim Thema, er beginnt beim Zuhörer – bei einer Erinnerung, die fast jeder im Saal teilt. In dem Moment, in dem die Frage fällt, ist niemand mehr passiver Empfänger einer Vorstandsrede, sondern baut im Kopf mit. Genau diese Verschiebung, vom Zuhören zum Mitdenken, entscheidet in den ersten Sekunden, ob eine Rede trägt oder abrutscht.
Stell dir vor, du präsentierst als Inhaber deinem Team die Zahlen des Halbjahres oder als Beraterin einem neuen Kunden dein Konzept. Die naheliegende Eröffnung ist die Folie mit der Kennzahl. Die wirksamere ist eine Frage, die im Kopf des Gegenübers sofort ein Bild erzeugt, bevor du überhaupt zur Sache kommst.
Mit welcher Frage könntest du deine nächste Präsentation eröffnen – einer, bei der dein Publikum vom ersten Satz an mitbaut, statt nur zuzuhören?
Quelle: Handelsblatt-Rhetorik-Ranking der Universität Hohenheim, 2026.
Dieser Beitrag gehört zur Phase Erste Worte im Vier-Phasen-Modell →