Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Illustration KI-generiert

Was dein erster Blick verspricht, musst du danach halten

· 2 Min. Lesezeit

Ein neu zusammengestelltes Team sieht sich zum ersten Mal – nicht im Büro, sondern im Videocall. Noch bevor irgendjemand ein Wort gesagt hat, entscheidet sich bereits, wie sehr die anderen dir vertrauen.

Genau das haben Forscher jetzt im Labor nachgestellt: Dreierteams trafen sich zu einem ersten Video-Meeting, ausgestattet mit Eyetracking-Technik, die Blickkontakt zwischen den Teilnehmenden sichtbar und bewusst wahrnehmbar machte. Das eigentliche Blickverhalten änderte sich dadurch gar nicht – aber Teams, bei denen der Blickkontakt sichtbar gemacht wurde, kooperierten in der allerersten Runde spürbar besser miteinander als Teams ohne dieses Signal.

Für die Erste-Worte-Phase ist das ein Befund mit Verfallsdatum. Der sichtbare Blickkontakt verschafft einen Vertrauensvorschuss, der rein aus dem ersten Kontakt stammt, nicht aus tatsächlich gezeigter Leistung. Genau deshalb hält er auch nicht von selbst: Mit jeder weiteren Runde reagierten die Teams zunehmend auf das, was ihre Kollegen tatsächlich beitrugen, statt auf das anfängliche Signal – der Effekt verblasste, sobald echte Ergebnisse sichtbar wurden.

Die Führungskraft, die ein neues virtuelles Projektteam startet, kann sich das zunutze machen, indem sie im ersten gemeinsamen Call bewusst präsent und sichtbar zugewandt auftritt – das kauft ihr echten Vorschuss beim Start. Nur sollte ihr klar sein, dass dieser Vorschuss ein Kredit ist, kein Geschenk: Er will in den folgenden Wochen durch tatsächlich erkennbare Beiträge zurückgezahlt werden, sonst kippt das Vertrauen schneller, als es aufgebaut wurde.

Wie lange gibst du einem neuen virtuellen Team den Vertrauensvorschuss aus dem ersten gemeinsamen Blick – und was lieferst du in den Wochen danach, damit er nicht wieder verschwindet?

Quelle: Reuscher, Seitz Sänger, Maedche & Nieken, CESifo Working Paper, 2026.