Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Zwei dunkle Silhouetten in Geschäftskleidung stehen einander im Profil zugewandt und beugen sich leicht zueinander; die eine reicht der anderen auf der offenen Handfläche eine kleine leuchtende goldene Kugel, nach der diese mit geöffneter Hand greift, vor einer warm goldenen Fläche.

Illustration KI-generiert

Der Smalltalk, den du nicht meinst

· 2 Min. Lesezeit

Du gehst morgens durchs Haus und fragst dreimal, wie das Wochenende war. Beim dritten Mal hörst du die Antwort schon nicht mehr richtig — und weil es niemandem auffällt, hältst du das für einen Vorgang ohne Kosten.

Ein Team um Pan Liu hat in der Fachzeitschrift Acta Psychologica gerade nachgerechnet, wer diese Kosten trägt. 273 Vollzeitbeschäftigte aus verschiedenen chinesischen Unternehmen wurden dreimal befragt, jeweils im Abstand eines Monats: wie viel sie im Arbeitsalltag nebenbei plaudern, wie sie dabei mit ihren eigenen Gefühlen umgehen, und wie viel von ihrem Wissen sie an Kollegen weitergeben. Dieselbe Plauderei lief dabei über zwei gegenläufige Wege. Wer sie vor allem mit einer aufgesetzten freundlichen Miene bestritt, gab hinterher weniger von seinem Wissen weiter. Wer sich für die zwei Minuten tatsächlich kurz einließ, mehr.

Das ist Auftritt-Phase an einer Stelle, an der man sie selten vermutet. Smalltalk ist kein Eröffnungsritual, das nach den ersten Sätzen abgehakt wäre — er läuft den ganzen Tag mit und ist damit ein Stück deiner Präsenz im Haus, so wie Haltung und Stimme es sind. Das Unerwartete am Befund ist, wo die Rechnung aufgemacht wird: nicht beim Gegenüber, das die Fassade oft gar nicht bemerkt, sondern bei dir selbst. Eine Miene zu halten ist Arbeit, und was diese Arbeit verbraucht, fehlt an genau der Stelle, an der du dem anderen etwas von dir gegeben hättest. Ehrlich bleiben muss man dabei: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine bewiesene Ursache, und sie beruht auf Selbstauskunft. Aber sie fragt dreimal über zwei Monate hinweg, und sie findet den Zusammenhang in beide Richtungen.

Denk an deine Runde durch die Werkstatt am Montagmorgen. Du fragst, du nickst, du gehst weiter — und der Name des Lieferanten, der deinem Meister gerade weiterhelfen würde und den du seit Freitag im Kopf hast, fällt dir erst wieder im Auto ein. Nicht, weil du ihn vergessen hättest, sondern weil du in diesen zwei Minuten mit deinem Gesicht beschäftigt warst und nicht mit deinem Mann.

Wann hast du in einer dieser kurzen Plaudereien zuletzt etwas erzählt, das du dir eigentlich für einen richtigen Termin aufgehoben hattest?

Quelle: Liu, Guo, Wei, Shi & Duan, Studie zu Smalltalk und Wissensweitergabe, Acta Psychologica, 2026.

Quelle: Liu, Guo, Wei, Shi & Duan, Studie zu Smalltalk und Wissensweitergabe, Acta Psychologica, 2026.