Illustration KI-generiert
Wen du magst, hältst du für gewonnen
Du sitzt wieder im Auto und sortierst die Runde durch: Der war interessiert, die eher nicht, und mit dem Dritten könnte etwas gehen.
Jana Bruns, Eva Bleckmann, Lisa Maria Niemeyer, Mitja Back und Steffen Nestler von der Universität Münster haben vor drei Tagen im Journal of Personality and Social Psychology nachgesehen, woher dieses Gefühl eigentlich kommt. In ihrer vorab angemeldeten Studie trafen sich 144 einander unbekannte Menschen im Labor in Gruppen von vier bis sechs. Jeder stellte sich neunzig Sekunden lang vor, danach beantwortete jeder für jeden zwei Fragen: Wie sehr magst du diese Person? Und wie sehr glaubst du, dass sie dich mag? Geschulte Beobachter bewerteten parallel Erscheinung, Körpersprache, Stimme und Formulierungen. Das Ergebnis in einem Satz: Wie gut jemand insgesamt in der Runde ankam, spürten die Teilnehmer recht ordentlich – wie sehr eine bestimmte Person sie mochte, kaum.
Neunzig Sekunden Selbstvorstellung, das ist die Phase der ersten Worte in Reinform, und das Interessante steht nicht im Ergebnis, sondern im Weg dorthin. Beliebt machte in diesen Runden durchaus Bestimmtes: wie jemand aussah und wie gepflegt er auftrat, ein freundliches Gesicht, eine kräftige und zugleich warme Stimme, Sätze, die eine Richtung vorgeben, und Sätze, über die jemand lachen kann. Diese Signale waren da, sie waren messbar, und sie wirkten. Nur benutzte kaum jemand sie, um einzuschätzen, wie er selbst angekommen war. Was das eigene Urteil stattdessen trug, war eine Abkürzung: Ich mag dich, also magst du mich vermutlich auch. Sie erklärt einen guten Teil dessen, was an dem Gefühl richtig war – und sie ist zugleich der Grund, warum es bei der einzelnen Person versagt. Über die ganze Runde geht die Rechnung auf, weil Zuneigung tatsächlich oft erwidert wird. Über den einen Menschen, um den es dir geht, sagt sie dir nur eines: dass du ihn magst.
Genau da wird sie teuer. Nach dem Termin entscheidest du, wem du am nächsten Morgen schreibst, wen du zum Essen einlädst, in wen du die nächsten drei Stunden steckst. Diese Liste sortiert dein Bauchgefühl nicht nach denen, die dich überzeugend fanden, sondern nach denen, die du sympathisch fandest – und das sind nicht dieselben Leute.
Wen aus deinem letzten Kennenlerntermin hast du seither angeschrieben, und woher wusstest du, dass es sich lohnt?
Quelle: Bruns, Bleckmann, Niemeyer, Back & Nestler, Studie zur Treffsicherheit von Sympathie-Vermutungen in Erstbegegnungen, Journal of Personality and Social Psychology, 2026.
Quelle: Bruns, Bleckmann, Niemeyer, Back & Nestler, Studie zur Treffsicherheit von Sympathie-Vermutungen in Erstbegegnungen, Journal of Personality and Social Psychology, 2026.
Dieser Beitrag gehört zur Phase Erste Worte im Vier-Phasen-Modell →