Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Vor einer warm goldenen Wand stehen zwei gleich große dunkle Silhouetten in Geschäftskleidung und halten gemeinsam ein schmales, leuchtendes goldenes Brett, das keine der beiden allein trägt.

Illustration KI-generiert

Sag dazu, wer noch dabei war

· 2 Min. Lesezeit

Letzte Woche ist in deinem Betrieb etwas richtig gelaufen, weil du dich dafür eingesetzt hast. Und du überlegst noch, ob du es im Montagsmeeting erwähnst oder ob das komisch klingt.

Grace Ching Chi Ho und Hudson Sessions haben vor vier Tagen im Journal of Applied Psychology nachgesehen, was passiert, wenn eine Führungskraft es erwähnt. In einer Feldstudie mit 254 Vorgesetzten-Mitarbeiter-Paaren und einem Experiment mit 233 Beschäftigten zeigte sich beides: Erzählte ein Vorgesetzter von seiner eigenen Beteiligung an einer Sache, die moralisch gut gelaufen war, richtete das seine Leute auf, und sie taten anschließend mehr als das, was in ihrer Stellenbeschreibung steht. Bei den Vorgesetzten aber, die dabei kaum vom Anteil der anderen sprachen, löste derselbe Bericht Widerwillen aus – die Studie nennt es Ekel –, und die Hilfsbereitschaft ging zurück.

Das ist eine Frage des Inhalts, nicht der Haltung. Die beiden Fassungen unterscheiden sich nicht darin, wie bescheiden du dabei klingst, sondern darin, wovon dein Satz erzählt: von deinem Anteil allein oder von deinem Anteil und dem der anderen. Daran entscheidet dein Team, was es in deinem Bericht überhaupt vor sich hat – eine Sache, die gut gelaufen ist, oder jemanden, der gut dastehen will. Und das Bemerkenswerte ist, dass Schweigen keine der beiden Wirkungen erzeugt: Wer nichts sagt, richtet niemanden auf. Der Fehler liegt also nicht im Erzählen, er liegt in der Auslassung.

Denk an das Lieferproblem im Frühjahr, das nur deshalb keines geblieben ist, weil du zwei Abende lang telefoniert hast. In der einen Fassung erzählst du am Montag, dass du dranbleiben musstest. In der anderen erzählst du, dass du dranbleiben musstest und dass die Kollegin aus dem Einkauf am Samstag noch einmal jede Position durchgegangen ist – ohne die es nichts zu erzählen gäbe.

Nimm die eine Sache, auf die du in diesem Quartal ein wenig stolz bist, und schreib auf, wer daran noch beteiligt war, bevor du sie das nächste Mal erzählst.

Quelle: Ho & Sessions, Studie zur Wirkung moralischer Selbstdarstellung von Führungskräften, Journal of Applied Psychology, 2026.

Quelle: Ho & Sessions, Studie zur Wirkung moralischer Selbstdarstellung von Führungskräften, Journal of Applied Psychology, 2026.