Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Eine ruhig stehende Silhouette im Anzug, von warmem goldenem Licht umgeben, ohne große Geste oder Inszenierung

Illustration KI-generiert

Die Rede, die nichts beweisen wollte

· 2 Min. Lesezeit

Du bereitest dich auf den großen Auftritt vor und feilst an dem einen Satz, der hängen bleiben soll – die steile These, das einprägsame Bild, der Moment, den später alle zitieren.

Genau das war es nicht, was die Jury des VRdS-Preises für Wirtschaftsrhetorik 2026 in der Kategorie „Der menschliche Faktor“ überzeugte. Ausgezeichnet wurde Clemens Jungsthöfel, Vorstandsvorsitzender von Hannover Re, knapp vor adidas-Chef Bjørn Gulden. Die Begründung der 25 Fach-Redenschreiber: seine Rede habe „durch ruhige, präzise und glaubwürdige Kommunikation“ überzeugt, „die Vertrauen aufbaut, ohne auf Inszenierung oder große Effekte zu setzen“.

Für die Auftritt-Phase ist das eine Erinnerung, die gegen den Reflex arbeitet. Wirkung wird gern mit Zuspitzung verwechselt – mit der Pointe, die für sich steht und im Newsletter landet. Die Jury lobte bei Jungsthöfel ausdrücklich das Gegenteil: die Verbindung aus fachlicher Distanz und menschlicher Nahbarkeit, durchgehalten über die ganze Rede, nicht an einer einzelnen Stelle inszeniert. Kompetenz zeigt sich hier nicht im großen Moment, sondern darin, dass nichts wie ein großer Moment aussehen muss.

Der Inhaber, der vor seinem Team die Quartalszahlen erklärt, kann sich fragen, wem er dabei eigentlich nacheifert: dem Kollegen mit der einen zitierfähigen Zeile – oder demjenigen, dem man nach zwanzig Minuten einfach glaubt. Wer bei jeder Präsentation auf den einen viralen Satz hinarbeitet, verliert leicht genau die Ruhe, die im Alltag tatsächlich überzeugt.

Wann hast du zuletzt jemandem geglaubt, gerade weil er sich keine Mühe gab, dich zu beeindrucken?

Quelle: VRdS-Preis für Wirtschaftsrhetorik 2026, Kategorie „Der menschliche Faktor".