Illustration KI-generiert
Wohin du beim Videocall wirklich schauen solltest
Ist dir das auch schon aufgefallen? Du sitzt im Videocall, redest mit deinem Gegenüber – und schielst dabei ständig zu dem winzigen Kamerapunkt am oberen Bildschirmrand, aus Angst, sonst wie ein Aufmerksamkeits-Verweigerer zu wirken.
Die Organisationspsychologen Johannes Basch (Hochschule Neu-Ulm) und Klaus Melchers (Universität Ulm) haben genau diese Sorge in zwei Experimenten mit rund 450 Teilnehmenden getestet. Sie ließen Videogespräche mit leicht abweichendem Blickkontakt bewerten – einmal wich der Blick nach oben oder unten von der Kamera ab, einmal zur Seite. Ergebnis, veröffentlicht im Journal of Business and Psychology: Eine senkrechte Abweichung, wie sie entsteht, wenn die Kamera über dem Bildschirm sitzt, änderte kaum etwas an der Bewertung. Eine waagerechte Abweichung dagegen schon – die Bewerber wirkten spürbar weniger sozial präsent und wurden schlechter eingeschätzt.
Für die Auftritt-Phase heißt das: Nicht jede Abweichung vom perfekten Kamerablick kostet Wirkung, sondern die Richtung entscheidet. Ein Blick, der leicht nach oben zur Kamera geht, liest sich für das Gegenüber noch als zugewandt. Ein Blick, der zur Seite abschweift – zum zweiten Monitor, zu Notizen neben dem Laptop –, liest sich dagegen wie abgelenkte Aufmerksamkeit, selbst wenn du inhaltlich voll bei der Sache bist.
Nimm die Beraterin, die für ein wichtiges Kundengespräch aus Gewohnheit ihre Notizen auf einem zweiten Bildschirm neben dem Laptop liegen hat: Jedes Mal, wenn sie kurz seitlich schaut, um nachzulesen, wirkt sie im Call unkonzentrierter, als sie ist – nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Richtung ihres Blicks. Die einfache Lösung: Kamera und die wichtigsten Stichpunkte direkt übereinander statt nebeneinander.
Wo liegen bei deinem nächsten wichtigen Videocall die Dinge, auf die du schauen musst – direkt über der Kamera, oder daneben?
Quelle: Basch & Melchers, Studie zu Blickkontakt in Video-Interviews, Journal of Business and Psychology, 2025.
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