Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Kompetenz ist gleich Erfahrung? Ein Denkfehler

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Kompetenz ist gleich Erfahrung? Ein Denkfehler

· 2 Min. Lesezeit

Vielleicht hast du das auch schon erlebt: Jemand hat schon fünfzehn Jahre Berufserfahrung – und trotzdem hast du im Gespräch das Gefühl, gerade mehr von jemandem mit fünf Jahren zu lernen.

Der Duden definiert Erfahrung als Wissen, das durch praktische Tätigkeit oder Wiederholung gewonnen wird – oder als ein Erlebnis, durch das jemand klüger wird. Genau da liegt der Denkfehler: Reine Wiederholung derselben Aufgabe, ohne neue Herausforderung und ohne neues Problem zu lösen, erzeugt keine höhere Kompetenz. Wer fünfzehn Jahre lang dieselbe Routine abarbeitet, ohne sich neuen Situationen zu stellen, hat fünfzehn Jahre Wiederholung gesammelt – nicht zwingend fünfzehn Jahre Wachstum.

Echte Kompetenz entsteht dort, wo dieselbe Tätigkeit immer wieder auf neue Herausforderungen trifft und neue Lösungen verlangt: neues Wissen aneignen, es unter veränderten Umständen anwenden, an unbekannten Problemen wachsen. Das Tückische daran: Diese echte Kompetenz ist von außen kaum sichtbar. Was dein Gegenüber tatsächlich beurteilt, ist die wahrgenommene Kompetenz – Auftreten, Aussagen, Gestik, die Souveränität, mit der jemand eine Situation angeht. Beide Formen von Kompetenz laufen nicht zwangsläufig parallel.

Nimm zwei Kollegen im selben Unternehmen: Der eine arbeitet seit fünfzehn Jahren dieselbe, immer gleich bleibende Aufgabe ab. Der andere ist erst fünf Jahre dabei, hat sich aber ständig neuen, unbequemen Kundenproblemen gestellt. Im Kundengespräch wirkt meistens der Zweite überzeugender – nicht, weil er länger dabei ist, sondern weil er mehr echte Herausforderungen durchlaufen hat, die sich in seinem Auftreten niederschlagen.

Wie viele deiner eigenen Berufsjahre waren Wiederholung – und wie viele waren echte neue Herausforderung?

Quelle: 30 Jahre Coaching-Praxis, Uwe Klenner.