Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Illustration KI-generiert

Der Fluch, kompetent zu wirken

· 2 Min. Lesezeit

Erinnerst du dich an den Moment, in dem du in einem Bereich so überzeugend kompetent gewirkt hast, dass plötzlich alle mit genau den Fragen zu dir kamen, die du eigentlich selbst erst noch lösen musstest?

Ein befreundeter Elektriker hat mir genau das erzählt. Durch seine Art, aufzutreten, halten Kunden ihn praktisch bei jedem Problem für den Experten – auch dort, wo er selbst noch dazulernt. Das bringt ihm mehr und lukrativere Aufträge, aber auch einen Druck, der ihm manchmal fast unangenehm ist: immer eine Lösung liefern zu müssen, ohne dabei wie ein Hochstapler dazustehen. Auf die Frage, ob er lieber ohne diese Wirkung arbeiten würde, hat er entschieden verneint: Seit er so auftritt, werde er von Tag zu Tag sicherer und bekomme bessere, lukrativere Aufträge.

Das ist die Kehrseite einer Erkenntnis, die sonst zurecht ermutigend klingt: Wahrgenommene Kompetenz öffnet Türen schneller als reines Fachwissen allein. Aber genau das funktioniert nur so lange, wie der Inhalt dahinter nachwächst. Wirkung ohne Substanz ist ein Kredit, kein Dauerzustand – irgendwann wird die Rechnung fällig, entweder durch eigenes Wachstum oder durch Enttarnung.

Der Elektriker hat das selbst verstanden: Er investiert weiterhin in Online-Seminare, persönliches Training und Einzelcoaching, und gibt diese Techniken inzwischen an seine Angestellten und Azubis weiter – Wirkung und echte Weiterentwicklung zusammen, nicht das eine anstelle des anderen.

Wo verlässt du dich gerade auf den Eindruck von Kompetenz, ohne den Inhalt dahinter nachzuliefern – und woran merkst du, wenn die Lücke zu groß wird?

Quelle: 30 Jahre Coaching-Praxis, Uwe Klenner.