Uwe KlennerDer Kompetent-Macher

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Zwei Silhouetten in Geschäftskleidung sitzen einander an einem kleinen Tisch zugewandt; die linke legt die offene Hand auf die eigene Brust, aus der ein warmes goldenes Leuchten dringt, die rechte beugt sich ihr entgegen.

Illustration KI-generiert

Sag ihm nicht, was ihm gefallen wird

· 2 Min. Lesezeit

Zwei Sätze, entscheide dich schnell. Der eine: „Sie werden begeistert sein.“ Der andere: „Ich war begeistert.“ Welcher von beiden bringt dein Gegenüber eher dazu, es tatsächlich zu probieren?

Wenyan Yin, Jonah Berger und Yanliu Huang sind dieser Frage in sieben Studien nachgegangen und haben ihr Ergebnis in der Fachzeitschrift Psychology & Marketing veröffentlicht. Es ist eine systematische Fehleinschätzung: Wer jemanden überzeugen will, hält die direkte Ansprache für das stärkere Mittel – sie richtet sich ja an den anderen und nimmt seine Sicht ein. Gemessen wirkt sie schwächer. Der Satz in der Ich-Form überzeugt mehr, und der Grund dafür ist Widerstand. Wer dem anderen ansagt, was er gleich empfinden wird, löst bei ihm Reaktanz aus – den Reflex, sich das eigene Urteil nicht vorschreiben zu lassen.

Das ist die Phase „Der Inhalt“, und sie entscheidet sich hier an einem einzigen Wort. „Sie werden begeistert sein“ ist eine Behauptung über das Innenleben eines fremden Menschen, und darüber weiß er nun einmal mehr als du – er kann dir eigentlich nur widersprechen. „Ich war begeistert“ ist eine Behauptung über dich. Die kann er gar nicht bestreiten, er kann sie nur prüfen. Der eine Satz legt ihm eine Meinung in den Mund, der andere legt ihm eine Erfahrung vor die Füße. Zu unterscheiden ist das übrigens von der Anrede: Nicht das Du oder das Sie ist das Problem, sondern der Satz, der dem anderen sein eigenes Erleben ankündigt.

Du sitzt im Angebotsgespräch und sagst: „Damit sparen Sie sich zwei Tage im Monat.“ Dein Kunde nickt höflich und rechnet innerlich dagegen, weil das seine zwei Tage sind, nicht deine. Dieselbe Zahl in der anderen Form: „Wir haben uns damit zwei Tage im Monat gespart – ich habe zuerst nicht daran geglaubt.“ Jetzt hat er nichts zu widerlegen, sondern etwas zu vergleichen.

Hör dir im nächsten Gespräch einmal selbst zu: Wie oft erzählst du deinem Gegenüber, was er gleich empfinden wird – und was passiert, wenn du stattdessen von dir erzählst?

Quelle: Yin, Berger & Huang, Studie zu persönlichen Pronomen und Überzeugungskraft, Psychology & Marketing, 2026.

Quelle: Yin, Berger & Huang, Studie zu persönlichen Pronomen und Überzeugungskraft, Psychology & Marketing, 2026.